Un-Broken Heart

Auch positiver Stress geht ans Herz

Vernichtende Brustschmerzen, Herzbeklemmung, Luftnot – alle Symptome deuten auf einen Herzinfarkt hin. Eine Untersuchung mit dem Herzkatheter zeigt aber: Es ist gar keiner. Trotzdem ist die Funktionsstörung des linken Herzventrikels, die hinter den Symptomen steckt, ein Notfall. Auslöser ist Stress – und zwar nicht nur negativer, sondern auch positiver.

Tod eines Angehörigen, Jobverlust –solche massiven seelischen Erschütterungen können das Herz erheblich belasten. Bei einigen Menschen reagiert es drauf mit Symptomen, die einem Herzinfarkt zum Verwechseln ähneln. „Broken Heart Syndom“ oder auch „Stresskardiomyopahtie“ nennen Mediziner das Phänomen. Sie tritt vor allem bei Frauen nach der Menopause auf, die psychisch schwer belastet sind. Neu ist die Erkenntnis, dass auch extrem freudige Ereignisse einen solchen Effekt haben können.

Infarktsymptome nach freudigem Ereignis

Forscher um Jelena Gheri vom Universitätsspital in Zürich haben untersucht, ob auch positiver Stress Initialzündung für eine Kardiomyopahtie sein kann. Tatsächlich wurden sie fündig: Unter 1.750 Patienten mit der Diagnose waren 20 (4 Prozent), bei denen nicht ein negatives, sondern ein positives Erlebnis den Beschwerden vorangegangen war. Darunter die Geburt eines Enkelkindes, eine Hochzeit, der Sieg eines Rugbyteams und ein geknackter Jackpot. „Happy Heart Syndrom“ nannten die Forscher diese Variante der Stresskaridomyopathie daher.

Die Wissenschaftler vermuten, dass positiver und negativer Stress die gleichen Nervenbahnen aktivieren können, die schließlich die Herzbeschwerden provozieren. Wie das genau abläuft und warum Stress häufiger in ein „Broken Heart Syndom“ als einem „Happy Heart Syndrom“ mündet, ist noch unklar. Möglicherweise liegt die Belastungsgrenze für das Herzkreislaufsystem bei Glückserlebnissen höher.

Auch positiver Stress belastet

Dass auch positive Erlebnisse nicht nur ihr Gutes haben, ist indes nicht neu. So können Lebensereignisse wie eine Hochzeit, eine Geburt oder ein Karrieresprung genauso wie negative Stressoren Depressionen oder andere psychische Erkrankungen vorangehen.

„Unsere Ergebnisse erweitern das klinische Spektrum des Syndroms”, sagt Ghadri. Ärzte sollten damit rechnen, dass Patienten, die kurz nach einem freudigen Ereignis mit Verdacht auf Herzinfarkt eingeliefert werden, ein „Happy-Heart-Syndrom“ entwickelt haben könnten.

Eine Stress-Kardiomyopathie ist eher selten. Experten schätzen, dass sie bei etwa zwei Prozent aller Patienten, die mit Verdacht auf ein akutes Koronarsyndrom ins Krankenhaus eingeliefert werden, die Beschwerden verursacht. Für die Studie musste das Team um Jelena Gheri Daten aus insgesamt 26 europäischen und US-amerikanischen Zentren zusammensuchen, um auf ausreichend hohe Fallzahlen zu kommen.